Corona trifft Jugendliche besonders hart - Landkreis München

Corona trifft Jugendliche besonders hart – Landkreis München


Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit während der Corona-Pandemie hat Kinder und Jugendliche in besonderem Maße betroffen. Sie konnten nur träumen von einer Sturm- und Drang-Zeit. Wie ihre Seelen darunter litten und teils immer noch leiden, das kann man im Jahresbericht des Kreisjugendrings München-Land (KJR) nachlesen. Unter dem Titel “Schlaglichter 2021/22” kommen die verschiedenen Einrichtungen des KJR zu Wort, berichten über ihre Aktivitäten, aber auch über die Herausforderungen der vergangenen zwölf Monate. In den Beiträgen der sozialen Fachkräfte fällt laut einer Pressemitteilung des KJR vor allem eines auf: “Die Krisen unserer Zeit belasten junge Menschen stark und es gibt vor allem aufgrund der Corona-Pandemie viel aufzuarbeiten.”

So etwa schildern Merle Louise Gebert und Michael Sendlinger von der Jugendsozialarbeit an der St.-Emmeram-Realschule in Aschheim in drastischen Worten die Folgen der Lockdowns für ihre Schülerinnen und Schüler. Seit 2021 sei ein deutlicher Anstieg von Fällen der Niedergeschlagenheit, depressiven Tendenzen bis hin zu diagnostizierten Depressionen zu verzeichnen. Auch Schulabsentismus und Schulangst hätten, vermutlich pandemiebedingt, deutlich zugenommen, schreiben Gebert und Sendlinger. In ihrem Bericht hatte dabei der Ukraine-Krieg aufgrund des Redaktionsschlusses für den KJR-Jahresbericht im Februar noch gar keine Berücksichtigung gefunden.

Auf die aktuellen Bedürfnisse junger Menschen hätten die Einrichtungen freilich reagiert. Wann immer es 2021 möglich gewesen sei, seien Begegnungen und ein Miteinander vis-à-vis ermöglicht worden. Wegen der anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie habe man dabei oft sehr kreativ und zumeist auch digital agiert, erklärt KJR-Vorsitzender Jan Museler im Jahresbericht. Aufgrund der Schließung von Jugendzentren und des hohen Anteils von Homeschooling seien die Mitarbeitenden immerzu bemüht gewesen, den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen durch digitale Angebote oder in Eins-zu-eins-Gesprächen zu gewährleisten. Der Gesprächs- und Unterstützungsbedarf sei sehr hoch gewesen und habe gezeigt, wie wichtig Jugendarbeit sei, nicht nur in Krisenzeiten.

In der Not haben sich auch die Stämme der Pfadfinder neue Wege ausgedacht, um zusammenbleiben zu können, wie etwa der Stamm “Arche Noah” in Putzbrunn, der Zoom-Meetings sowie einen Postenlauf durch den Ort zum gegenseitigen Wichteln veranstaltete und ein Zelt auf einer Wiese aufschlug, nachdem ihr gewohnter Gruppenraum im Putzbrunner Kirchenzentrum den Corona-Regeln nicht mehr gewachsen gewesen war. “Es entstand ein Wohnzimmer in der Natur, bei dem wir mit Abstand, Desinfektionsmittel und Maske gemütlich dem Alltag entkommen konnten”, heißt es im Bericht von Pfadfinderleiterin Steffanie Jäger. Aber dann musste auch das Zelt den neuen Corona-Bestimmungen weichen.

Kreativ zeigte man sich auch beim Jugendtreff “Dino” in Haar, der seine Angebote ins Digitale übertrug, sodass die Jugendlichen die “Dinoversität des Lebens” – niedrigschwellige Workshops, die Alltagswissen vermitteln – auch auf dem Youtube-Kanal der Einrichtung fand. Einen Erfolg feierte mitten in der Corona-Pandemie das Jugendkulturhaus Gleis 1 in Unterschleißheim. Die Einrichtung fördert seit Jahren die Eishockeytalente in Unterschleißheim, obwohl es in der Stadt gar keine Eishalle gibt. Aus dem Projekt ist nun ein Verein geworden. Viele ehemalige Jugendliche wurden in den Vorstand gewählt. Die Leitung des Gleis 1, Markus Baier, betont: “Es gibt eine Art Generationenvertrag. einige der ehemaligen Jugendlichen kümmern sich nun um den Nachwuchs.”


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