Nördlingen: Wo die neue Statue von Gerd Müller stehen wird - Bayern

Nördlingen: Wo die neue Statue von Gerd Müller stehen wird – Bayern


Gerd Müller stand am liebsten vor dem Tor, damit ist aber natürlich ein Fußballtor gemeint, im Strafraum, mit Pfosten, Latte und Netz. Das Berger Tor in Nördlingen dagegen ist touristisch interessant, als Bestandteil der einzig noch vollständig begehbaren Stadtmauer Deutschlands. Für Gerd Müller jedoch wäre das Berger Tor weniger spannend gewesen, auch wenn er seiner Heimatstadt natürlich grundsätzlich zugeneigt war. Dort eine Statue des Stürmers aufzustellen, wie es der Stadtrat beschlossen hatte, wäre insofern vielleicht tatsächlich keine so gute Idee gewesen, viel Verkehr, Altstadtrandlage.

Eine Initiative für ein Bürgerbegehren hatte deshalb Widerstand organisiert, am Freitag jedoch hat sich der Konflikt nun offenbar in Wohlgefallen aufgelöst: Stadt, Kritiker und die Witwe von Gerd Müller haben sich auf einen neuen Standort geeinigt. Die Gerd-Müller-Statue in Nördlingen wird künftig am Eingang des sogenannten Gerd-Müller-Viertels stehen – und das angekündigte Bürgerbegehren wird zurückgezogen.

Mehr als 2000 Unterschriften hatten die Initiatoren des Bürgerbegehrens gesammelt, die die Statue des berühmtesten Sohnes der Stadt zentral in die Mitte der Altstadt stellen wollten. Sie hatten es damit in die überregionalen Nachrichten geschafft, Gerd Müller zieht immer, auch knapp ein Jahr nach seinem Tod. Am Freitag übergaben sie die Liste an Oberbürgermeister David Wittner, der allerdings geschickt vorgearbeitet hatte. Kurz vor Übergabetermin ließ er die Kritiker verstummen mit dem Vorschlag zum neuen Standort zwischen dem Geburts- und dem Wohnhaus des Ausnahmefußballers, der mit allen relevanten Personen abgesprochen ist.

Ein Stadtspaziergang war entscheidend

Man blicke dorthin, wo Gerd Müller seine Kindheit und Jugend verbracht hat, sagt Susanne Vierkorn vom Verschönerungsverein Nördlingen, unter dessen Federführung die Statue geplant wird. Auch der Stadtheimatpfleger sieht den biografischen Bezug des neu gewählten Standorts. Vor allem aber hat sich Witwe Uschi Müller klar positioniert: Die vom Bürgerbegehren vorgeschlagene Stelle habe keinen erkennbaren Bezug zu ihrem Mann, sagte sie.

Bei einem Stadtspaziergang am vergangenen Wochenende entschied sie sich gemeinsam mit engen Freunden des Fußballers für den Platz zwischen Geburts- und Wohnhaus und damit auch gegen den vom Stadtrat beschlossenen Platz vor dem Berger Tor. Moralisch betrachtet, das sagt auch der Oberbürgermeister, komme nun gar kein anderer Ort mehr in Frage, weshalb der Stadtrat am Donnerstag dem neuen Vorschlag zustimmen und die Kritiker ihr Bürgerbegehren daraufhin zurückziehen sollen.

Eigentlich war geplant gewesen, die lebensgroße Statue aus Bronze am 15. August aufzustellen, genau ein Jahr nach dem Tod von Gerd Müller. Das wird nun allerdings knapp, so ein neuer Beschluss zieht ja immer auch viel Bürokratie nach sich, alles muss geplant und erst mal visualisiert werden. Ein Kompromiss sei gefunden, mit dem die meisten gut leben könnten, heißt es aus dem Rathaus – auch wenn nun kein Tor in der Nähe steht.


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