Forscha und Münchner Wissenschaftstage auf der Theresienhöhe – München


Kann Wissenschaft witzig sein? Nun, das kommt wohl ganz auf die Vortragenden an. Zumindest stehen die Vorzeichen gut, wenn der Chemiker Marc-Denis Weitze, Kommunikationsleiter der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), der Kabarettist und Musiker Ecco Meinecke, Professor Georg Eggers alias “Grög” von der Hochschule München, die Chirurgin Jeannine Bachmann von der TU und der Jurist und Naturliebhaber Georg Brun auf der Forscha und den Münchner Wissenschaftstagen mit Kurzvorträgen aktuelle Einblicke in Wissenschaft und Technik geben. Moderieren wird den Technology und Science-Slam am 25. Juni um 19 Uhr der Autor und Naturwissenschaftler Jaromir Konecny, jüngst mit dem Ernst-Hoferichter-Preis ausgezeichnet.

Freizeit: Dem Thema Künstliche Intelligenz widmet sich der Autor und Naturwissenschaftlicher Jaromir Konecny beim

Dem Thema Künstliche Intelligenz widmet sich der Autor und Naturwissenschaftlicher Jaromir Konecny beim “KI-Stand-up”.

(Foto: Klaus Bichlmayer)

Beim Moderieren wird er es glücklicherweise nicht belassen, sondern auch mit einem “KI-Stand-up” auftreten. Was hat man sich darunter vorzustellen? “In meinem Vortrag geht es um die sogenannte Superintelligenz. Es gibt ja diese Ängste der Menschen, dass sich Künstliche Intelligenz selbstständig machen könnte”, sagt Konecny. Er erinnere nur an den Science-Fiction-Thriller “Transcendence”: In dem spielt Johnny Depp einen Wissenschaftler, dessen Bewusstsein beziehungsweise “Hirninhalt” nach seinem Tod in einen Computer gespeist wird. Das Bewusstsein verbreitet sich im Internet und wird zu einer Superintelligenz, die der menschlichen weit überlegen ist. “Diese Ängste kann ich dem Publikum nehmen”, sagt Konecny und lacht. Denn es sei noch lange nicht möglich, dass Menschen ein Programm entwerfen, das ihre eigene Intelligenz überschreitet. Wer mehr zu diesen und anderen Themen erfahren will, kann sich im Anschluss an die Veranstaltung mit den Slammern und weiteren Experten aus der Forschung im “Wissenschaftsbiergarten” austauschen.

Freizeit: Feilen, Bauen und Forschen ist an den unterschiedlichen Mitmachstationen möglich.

Feilen, Bauen und Forschen ist an den unterschiedlichen Mitmachstationen möglich.

(Foto: Forscha/Münchner Wissenschaftstage)

Drei Tage lang sind bei den Münchner Wissenschaftstagen vom 24. bis 26. Juni im Zusammenspiel mit der Forscha-Messe von jeweils 9 bis 17 Uhr im Verkehrszentrum des Deutschen Museums am Bavariapark Experten-Vorträge, Diskussionen, Mitmachaktionen und Fortbildungsangebote für Pädagogen geboten. Ein Wissens- und Erlebnisfestival für interessierte Laien, diskutier- und experimentierfreudige Azubis, Studentinnen, Young Professionals, Jugendliche, Kinder, Nachwuchsforscher, Familien und Schulklassen. Sie alle können sich auf interaktiven Streifzügen durch die fantastischen Welten der Münchner Wissenschaftstage und der Messe Antworten auf Fragen zu den Entwicklungen einholen, die unsere Zukunft prägen: von Quantentechnik, KI und IT über Medizin, Gesundheit, Bioökonomie, Klimawandel, Energieversorgung, Mobilität, Medien, Bildung bis zu den Folgen der Pandemie. An Mitmach- und Experimentierstationen laden Unternehmen sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen Besucher und Besucherinnen jeden Alters zum Ausprobieren ein: Beim Programmieren, Konstruieren, Feilen, Bauen und Forschen kann der Nachwuchs seine Talente ausloten, sich Inspiration für die schulische und berufliche Karriere holen und begreifen, was gefragt ist in Ausbildung, Studium und Beruf.

Chancen und Grenzen eines Pflegeroboters

Am Stand des Deutschen Museums steht beispielsweise das Thema Geriatronik im Zentrum: Wie können Roboter ältere Menschen dabei unterstützen, länger selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben? Dabei geht es sowohl um die Bewältigung des Alltags, etwa Unterstützung beim Aufstehen oder bei der Zubereitung von Mahlzeiten, als auch um medizinische Hilfestellung, etwa über Telemedizin oder als Reha-System. Wie könnte so ein Unterstützungssystem aussehen? Was muss es können? Wie kommunizieren wir mit dem Roboter?

Freizeit: Einem Pflegeroboter können Besucher am Stand des Deutschen Museums kleine Aufgaben selber beibringen.

Einem Pflegeroboter können Besucher am Stand des Deutschen Museums kleine Aufgaben selber beibringen.

(Foto: Scharf/i!bk)

“Wir haben einen Roboter der Firma Franka Emika dort, eigentlich ist es eher ein Roboter-Arm, dem die Besucher selbst kleine Aufgaben beibringen können, dafür muss man nicht programmieren können”, sagt Gerrit Faust vom Deutschen Museum. Worin könnte eine solche Aufgabe bestehen? “Nun, es könnte beispielsweise darum gehen, einem alten Menschen ein Getränk zu reichen”, sagt Faust. Ziel sei es, gemeinsam zukünftige Einsatz-Szenarien zu überlegen. Und dabei auch über die ethischen Grenzen eines Pflegeroboters für Zuhause zu diskutieren.

Brücken für die Zukunft bauen

Am Stand des Kunstareals München sind kreative Köpfe sowie handwerklich geschickte Hände gefragt: Am Freitag gibt es die Möglichkeit, mit Spielen in die Vielfalt der Museen und Universitäten im Kunstareal München einzutauchen. Am Samstag und Sonntag können die jungen Besucher dann selbst zu Architekten und Künstlerinnen werden. In dem Workshop “Bambolê” erbauen die Teilnehmer mit der Architektin Enrica Ferrucci eine begehbare Raumstruktur aus Hula Hoops (portugiesisch: ‘bambolê’), Schnüren, Röhren und Kabelbindern (Samstag 10.30 bis 12 Uhr; Sonntag 13 bis 14.30 Uhr). An der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst ist der Leonardo-Brücken-Bauworkshop angesiedelt. Dabei können Kinder ab acht Jahren oder Eltern-Kind-Teams gemeinsam mit Ferrucci nicht nur selbst eine Miniatur-Brücke errichten, sondern auch beim Bau eines Brücken-Modells in Realgröße jederzeit einsteigen (Samstag 13 bis 14 Uhr; Sonntag 10.30 bis 11.30 Uhr).

Bekanntschaft mit dem Alien Oooooooz und seiner fliegenden Untertasse Futuro können Nachwuchs-Künstler in Marina Widmanns Zeichenworkshop machen. Die Münchner Illustratorin des Museumsführers “Das Kunstareal für Kinder” zeigt, wie man mit Hilfe von Tuschefarben Farbklekse zum Leben erwecken kann. Sie hat für das Buch von Petra Breuer und Kaija Voss ein Farbklecks-Alien entwickelt, das als eine Art Gestaltenwandler in den Antikensammlungen zur Vase wird, im Paläontologischen Museum zum Flugsaurier, im holländischen Saal der Alten Pinakothek zum Kunstfälscher, im Ägyptischen Museum zum Krokodil. Gemeinsam mit ihr können die Teilnehmer nun ihre eigenen Aliens kreieren: “Erst machen wir Wasserflecken, dann lassen wir verschiedenfarbige Tusche hineinlaufen. Daraus entstehen dann ,Aliens’, die die Kinder nach dem Trocknen weiter ausgestalten können”, erklärt die Illustratorin. Wo genau im Kunstareal diese neugeschaffenen Aliens landen sollen, bleibt jedem selbst überlassen (Samstag und Sonntag, 14bis 17 Uhr).

Forscha und Münchner Wissenschaftstage, Freitag, 24. bis Sonntag, 26. Juni, 9 bis 17 Uhr, Deutsches Museum Verkehrszentrum und Alte Kongresshalle, Eintritt frei


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