"Django 3000" mit neuem Album auf dem Tollwood-Festival - München

“Django 3000” mit neuem Album auf dem Tollwood-Festival – München


“Somma is wenn d’ Heid kimmt” heißt es in einem Song der Chiemgauer Formation Django 3000. 2011 hatte die Band jenen Song auf YouTube gesetzt und damit auch ohne die Zustimmung der für die Musikauswahl verantwortlichen Rundfunkredaktionen ihren ersten Hit gelandet. Mittlerweile hat dieser Hit selbst tanzfaule Konzertgänger in Deutschland, Österreich oder Italien, ebenso wie in Russland, Indien oder Südkorea in leidenschaftliche Tänzer verwandelt. Und er funktionierte auf dem rock-geprüften Taubertal-Festival oder dem Chiemsee Summer ebenso gut wie auf dem Montreux Jazz Festival. “Geiger, hoppa” ruft der slowakische Sänger in eine osteuropäisch anmutende Tanzmusik hinein, und schon erhebt sich darüber ein feuriges Geigenspiel, das geradezu sehnsüchtig wieder in die besagte Tanzmusik eintaucht. Spätestens jetzt tauchen auch all die Hörer mit ein, die wie einst der Sänger des ersten Django 3000-Hits eigentlich nur an der Bar stehen mochten. Doch dann kam besagte Heidi und führte den Herrn auf die Tanzfläche.

Seine Band Django 3000, die einst noch als Luftmenschn die hiesigen Kleinkunstbühnen mit jüdischer Volksmusik bereichert hatte, hat besagte Tanzfläche seitdem nicht mehr verlassen. Wie könnte sie auch? Schließlich ist überall Tanzfläche, wo Django 3000 spielt. Und wie auch in der originalen Balkan-Musik, die Django 3000 raffiniert zu bajuwarisieren verstand, schwingt auch hier eine Heimatromantik mit, die sich nicht mehr in Landesgrenzen fassen lässt. Ein grenzenloses Vergnügen ist darum garantiert, wenn Django 3000 am Sonntag, 19. Juni, ihr neues Album “Alibabo” (Millaphon Records) im großen Konzertzelt des Tollwood-Festivals präsentieren werden. “Das scheint für uns schon fast eine Tradition zu sein, die wir nie angestrebt haben”, sagt dazu der Violinist der Band, Florian R. Starflinger: “Das ist nämlich schon das dritte Album, das wir im großen Rahmen auf dem Tollwood präsentieren.”

Unterstützt werden sie heuer von den Labelkollegen Dreiviertelblut, die das Tollwood-Publikum schon im Vorprogramm zu Django 3000 “mim Deife” tanzen lassen. Dass solches Vorprogramm aber auch eine ganz besondere Herausforderung ist, weil Dreiviertelblut selbst zu den besten Volksmusikanten jenseits der Folklore zählt, nimmt Starflinger ebenso gelassen wie anerkennend: “Dreiviertelblut haben ja auch eine Tiefe, da kommen wir nie hin. Unsere Musik ist dagegen, ich sag’ mal: voll auf die Glocke”.

Die Band jongliert verschmitzt mit alpinen Klischees

Trotzdem findet man jene Tiefe, wie es der unter anderem mit dem Yehudi Menuhin-Preis ausgezeichnete Violinist Florian R. Starflinger ausdrückt, sehr wohl auch in der Musik von Django 3000. Da ist zum Beispiel diese geradezu verschmitzte Art, wie die Band rein lyrisch mit alpinen Klischees jongliert. Zugleich wecken gewitzt eingestreute Klänge in Django 3000 auch mal Kino-Assoziationen auf Großleinwand und in Technicolor. Wenn in der ersten Single-Auskopplung zum neuen Album beispielsweise der “Stoaadler” übers Geschehen schwebt und dem Sänger den Weg weist, schwingt im Pfeifen der Musikanten auch eine Westernfilm-Atmosphäre mit. Darum vielleicht klingt die gezupfte Geige hier schon fast mehr nach einem Banjo, das man gemeinhin solcher Westernatmosphäre zuschreibt. Augenblicklich verwandelt sich auch die alpine Bergkulisse in jenem Song in eine von Tarantino inszenierte Western-Landschaft. Dabei geht der Name “Django 3000” gar nicht auf den von Quentin Tarantino wiederbelebten Kopfgeldjäger zurück, sondern auf den Gypsy-Swing-Gitarristen Django Reinhardt, sagt Starflinger: “Die Zahl 3000 hinter Django steht dabei für das Neue! Entsprechend heißt Django 3000 also auch neue Gypsy-Musik”. Und die verwandelt das Tollwood-Zelt heuer mit dem nunmehr sechsten Studioalbum in eine berauschende “Discotheka Bavaria”.

Django 3000 und Dreiviertelblut, Tollwood Musik Arena, Sonntag, 19. Juni, 18 Uhr, www.tollwood.de


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